Freigang?

Vieles kann man leidenschaftlich diskutieren, dazu gehört sicher auch die Frage des Freigangs. Auch wenn meine Meinung fest steht und ich aufgrund des bereits erlebten da unnachgiebig bin ;-)... Ich möchte niemanden bekehren, denn jeder muss letztendlich selbst entscheiden, was er vertreten kann! Deshalb soll sich niemand auf den Schlips getreten fühlen -  Ich möchte einfach nur drum bitten, ganz genau abzuwägen, ob man wirklich in einem derart "sicheren" Gebiet lebt, dass ungefährlichen Freigang erlaubt.

Sehr gut hat eine Somali- und Abessinierzüchterin Argumente zusammengetragen, die gegen ungesicherten Freigang sprechen:

 

Gegen das typische "aber sie sind dann doch glücklicher" habe ich bei einer Maine-Coon-Züchterin einen sarkastischen Text gefunden, der aber viel Wahres enthält:

Für *mich* kommt Freigang nicht (mehr) in Frage. Ich habe einen Kater im Alter von 7 Monaten an die Straße verloren. Nie wieder. Jetzt kommen sie, die Argumente "ja aber das hätte dir auch Zuhause passieren können, dass er einen Unfall hat". Klar, hätte. Aber ein Auto hätte ihn nicht überfahren, wenn ich ihn nicht einfach hätte laufen lassen. Vielleicht wäre er jetzt (2006) aber auch einfach 14 Jahre alt und würde auf der Fensterbank schnurren.

- Max war mehrere Tage verschwunden, eine wohlmeinende Frau hatte ihn mitgenommen, weil sie dachte, er wäre herrenlos. Er kam nach 10 Tagen wieder. 10 Tage, in denen ich wohl 10 Jahre gealtert bin und nur geweint und gezittert habe, die schlimmsten Bilder vor Augen hatte (ich hatte ihn schon im Tierversuchslabor vor Augen... die Ungewissheit macht einen wahnsinnig). Kira hat in der Zeit nur die Hälfte gefressen. Dann ist sie auf den Balkon gegangen und hat ihn gerufen. Und gesucht. Und geweint, weil er nicht kam...

- Kira entwischte einmal durch ein offenes Fenster und blieb für 3 Tage im Hinterhof. Sie kam dann hungrig wieder, es hätte auch anders ausgehen können... seither sind auch alle Fenster mit Fliegendraht oder Kippfensterschutz gesichert.

- Max starb im Dezember 1992, als er einer Katze hinterher lief. Er wurde 7 Monate alt. Die Hauptstraße, an der er überfahren wurde, war 10 Minuten Fußmarsch entfernt (soviel zum Thema "die nächste Straße ist ja weit weg").

- Pebbles' Mutter kam kurz nach ihrer Kastration nicht mehr von einem Ausflug mit ihrem Sohn und ihrem Bruder zurück. Von ihr wurde nie wieder etwas gehört. Pipsy lebte in einem schönen Schrebergarten, aber leider gab es auch eine Straße in der Nähe. Vielleicht wurde sie aber auch gestohlen, vielleicht wurde sie vergiftet... wer weiß...

Können Sie mit der Ungewissheit leben?
Haben Sie genügend Geld auf dem Konto, um ihre Katze nach einem Unfall vom Tierarzt "zusammenflicken" zu lassen? Die OP-Kosten werden sicher höher sein, als ein Netz um den Garten. Was machen Sie, wenn Ihre Katze auf der Straße stirbt? Einfach eine "neue" holen, gibt ja genug? Ist DAS wirklich Tierliebe?!

Schützen Sie Ihre Katze vor Autos, Diebstahl, Rattengift, Katzenkämpfen, Hundebissen, Katzenhassern und Tierfängern! Schützen Sie sich vor der Trauer und Wut, die Sie überfallen wird, wenn ein Jäger Ihre Katze abknallt, weil sie sich "illegalerweise" zu weit vom Grundstück entfernt hat und in ein Waldgebiet "eindringt"! Schützen Sie sie vor Krankheiten, die durch andere Tiere und Umwelteinflüsse übertragen werden können!

Es ist richtig, dass Katzen frische Luft lieben und gerne in der Sonne liegen. Das können sie aber genauso gut in einem eingezäunten Garten oder auf einem eingenetzten Balkon!

Eine Katze in der Wohnung kann ein wunderbares Leben führen, wenn man ein paar einfache Dinge bereit stellt: Einen Kratzbaum, eine saubere Toilette, Schlafplätze und auch Nischen, in die sie sich zurückziehen kann, Fensterbankaussichtsplätze, Spielzeug, Futter, das ihrer Art entspricht (Fleischstücke kann man hervorragend fangen lassen). Und natürlich viel Liebe, denn Katzen schmusen deutlich lieber, als bei klirrender Kälte und im strömenden Regen zitternd vorm knurrenden Nachbarskater in Deckung zu gehen, nur weil Mensch meint, sie wären ja sooooooo glücklich draußen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, Ihren Balkon oder Garten einzunetzen (auch hierzu finden Sie Hinweise bei dem Foxgardens-Link), ist das noch das Nonplusultra. Manche Katzen gehen auch gern an der Leine spazieren und können so die frische Luft genießen. Freigang braucht kein Mensch - bzw. keine Katze. Die Umwelt hat sich zu sehr verändert, um Katzen mit ruhigem Gewissen herumstromern zu lassen. Der Mensch macht es sich etwas zu einfach, die Gefahren mit "aber sie ist doch so glücklich" weg zu ignorieren. Haben Sie keine Lust, sich mit Ihren Katzen zu beschäftigen und lassen Sie sie deshalb raus? Dann sollten Sie von der Tierhaltung absehen. Und wenn Sie den ganzen Tag arbeiten und deshalb Ihre Katze rauslassen, weil sie sonst vor Einsamkeit durchdreht - warum holen Sie nicht einfach einen Spielkameraden? Das kostet Sie im Monat kaum mehr als eine Katze, viel mehr Arbeit ist es auch nicht, aber u.U. machen Sie Ihre Katze sehr glücklich und können evtl. noch einer verlassenen Seele ein schönes Zuhause geben.

Mit der Entscheidung für eine Katze haben Sie Verantwortung dafür übernommen, dass sich Ihr Tier bei Ihnen wohl fühlt, sicher und geborgen ist. Diese Verantwortung hört nicht an der Haustür auf.