Doggycat
Tierschutz & Tierhaltung

 

Feline Hyperthyreose / Schilddrüsenüberfunktion
von Simone Wurth

Die Hyperthyreose ist eine multisystemische, durch Überproduktion an Schilddrüsenhormonen hervorgerufene Krankheit, die mittlerweile als die wichtigste endokrine Störung bei der Katze gilt.

Zunächst ein paar wissenschaftliche Fakten:
Hyperthyreose ist bei Katzen nicht rasse- oder geschlechtsspezifisch.

Bei Auftreten der Erkrankung haben Katzen ein durchschnittliches Lebensalter von knapp 13 Jahren, wobei weniger als 5 % der betroffenen Katzen unter 8 Jahre alt sind.

Im Anfangsstadium wird die Hyperthyreose häufig nicht erkannt, da die älteren Katzen agiler wirken und sich der Besitzer darüber freut. Die feline Hyperthyreose entsteht bei 98% der betroffenen Katzen durch ein Adenom oder eine noduläre Hyperplasie in einem oder beiden Schilddrüsenlappen. In weniger als 2% der Fälle handelt es sich um ein Schilddrüsenkarzinom.

Warum die Hyperthyreose entsteht ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig erwiesen. Es wird vermutet, dass eine regelmäßige Fütterung von kommerziellen Futter (mit unzureichendem Jodgehalt) eine stetige Gegenregulation der Schilddrüse auslöst, die auf längere Sicht zur Überfunktion führen kann. (eine neuseeländische Studie zeigte, dass bei Katzen, die eine gesteigerte Jodkonzentration über das Futter zu sich nahmen, der T4 wert sehr schnell sank. Umgekehrt, bei verringerter Jodkonzentration, stieg der T4-Wert an). Umwelteinflüsse, Infektionen etc. werden aber auch nicht ausgeschlossen.

Symptome der Hyperthyreose:
Da alle Organe von Schilddrüsenhormonen beeinflusst werden, kann es zu folgenden Symptomen kommen. Gewichtsabnahme trotz vielen Fressens, schlechtes Fressen, Hyperaktivität, Atemnot (Hecheln), nachlassende Kondition, Nervösität, Muskulaturrückbildung, stumpfes glanzloses Fell, Herzrasen, Bluthochdruck, Polydipsie – und urie, Erbrechen, Durchfall, Zittern, Schwäche, Aggressivität infolge Verhaltensänderungen, Liegen auf kühlen Plätzen

Häufige Begleiterkrankungen, bzw. –erscheinungen:
Infolge der Hyperthyreose (Organe werden zu Höchstleistungen
getrieben) kann es zu folgenden Begleiterkrankungen kommen.

Nierenfunktionsstörungen
Herzmuskelerkrankungen
Magen-Darm-Störungen

Bei einer gleichzeitig an Diabetes erkrankten Katze muss beachtet werden, dass die Wirkung des Insulins durch die Hyperaktivität der Schilddrüse verstärkt wird, allerdings wird Insulin auch vermehrt abgebaut. Deshalb steigt der Insulinbedarf.

Hyperaktive Schilddrüsenhormone führen zu einer Erhöhung des Knochenumsatzes, welches zu einer Hypokalzämie führen kann.

Diagnostik etc.
Da T3 an die Plasmaproteine im Blut nur locker gebunden ist, kann es das Blut wieder schnell verlassen. T4 liegt im Blut zu 99% an Transportproteine gebunden vor und verweilt so länger im Blut. Das Verhältnis T4:T3 im Blut liegt bei 50:1.

Somit ist der T4-Wert bzw. der FT4-Wert (freies T4= nicht an transportproteingebundender T4) in der Hyperthyreosediagnostik zuverlässiger. Es wird zusätzlich zur T4-Bestimmung empfohlen, auch den FT4 mitzubestimmen. Sind beide Werte erhöht, ist die Hyperthyreose eindeutig diagnostiziert. Ist T4 normal und FT4 erhöht kann man von einer NTI ausgehen. Ein(e) NTI (Nonthyroidal illness) liegt vor bei falsch erniedrigten bzw. erhöhten T3 oder T4-Werten.

Beispiele:
Erhöhungen von T3 oder T4 finden sich z.B. bei Östrogene (z.B. bei Trächtigkeit oder aber auch Östrogengabe z.B. Pille) Lebererkrankungen (überwiegend Anstieg des T4-Wertes) Jodhaltiges Kontrastmittel (überwiegend Anstieg des T4-Wertes) Erhöhungen von FT3 oder FT4 finden sich z.B. bei:
Heparin
Furosemid
Phenylbutazon
Verminderungen von T3 oder T4 finden sich z.B. bei:
Androgene
Anabolika
Steroide
Antirheumatika
Propranolol
Glukokortikoide
Begleiterkrankungen, wie z.B. CNI.

Falls keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann, können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, wie z.b. TRH-Provokationstest oder die Szintigrafie der Schilddrüse.

Beim TRH-Provokationstest wird der Katze ein Hormon gespritzt, welches die Schilddrüse zu einer vermehrten Bildung von T4 bewegen sollte. Liegt eine Hyperthyreose vor kommt es nicht zu einem T4-Anstieg im Blut.

Bei der Szintigrafie wird eine radioaktive Substanz gespritzt, welche sich in das Schilddrüsengewebe einlagert und so Veränderungen sichtbar macht. Allerdings ist hierfür eine Narkose notwenig, da die Katze sich nicht bewegen darf.

Eine TSH-Bestimmung ist für Katzen in Deutschland ebenfalls durchführbar (z.B. Justus-Liebig-Universität in Giessen), leider führen die meisten veterinärmedizinischen Labors den TSH-Test nur bei Hunden durch.

Verschiedene Studien, Berichte etc. finden Sie hier:
http://www.schattauer.de/de/magazine/uebersicht/zeitschriften-a-z/nuklearmedizin/inhalt/archiv/issue/577/manuscript/547.html

Folgende Blutwerte können im Zusammenhang mit der Hyperthyreose
verändert sein (Studie l. MTK München):
- Glucose erhöht
- Bilirubin erhöht
- Harnstoff erhöht
- Kreatinin erhöht
- Phosphat erhöht
- ALT erhöht
- AP erhöht
- Leukozyten erhöht
- Lymphozyten erniedrigt
- eosinophile Granulozyten erniedrigt
- Hämatokrit erhöht
- Thrombozyten erniedrigt

Therapiemöglichkeiten:
In der Regel werden Katzen mit Carbimazol, Thiamazol (Methimazol) oder dem veterinärmedizinischen Produkt Femimazole (Wirkstoff Methimazol) medikamentös behandelt. Für Katzen, die keine Tabletten nehmen, gibt es eine Methimazol-Paste (Christoffel-Apotheke Bern), die auf die Ohrmuschel aufgetragen wird. Diese Medikamente hemmen ein wichtiges Enzym für die Kopplung von Jod an Proteine, dadurch wird die Hormonproduktion unterbunden und die Hormonwerte normalisieren sich. (Die medikamentöse Therapie sollte nicht durchgeführt werden, wenn eine Granulozytopenie vorliegt!)

Thiamazol wird aktiv durch die Schilddrüse aufgenommen. Carbimazol muss erst noch in Methimazol umgewandelt werden, wird langsamer absorbiert und ist somit wirkungsvoller.

Thiamazol hat minimal mehr Nebenwirkungen, als Carbimazol. (siehe auch Unverträglichkeiten)

Im Allgemeinen wird empfohlen mit einer niedrigen Dosierung, wie z.B. 2x ¼ - ½ Tablette (bei 5mg Tabletten) pro Katze (!!!) zu beginnen und, je nach Reaktion der Katze, langsam zu steigern. Eine Höchstdosis von 2-3 x 5mg täglich sollte nicht überschritten werden, da sonst die Gefahr besteht, dass man die Katze in eine künstliche Schilddrüsenunterfunktion manövriert.

Unverträglichkeiten äußern sich z.B. mit Erbrechen, Futterverweigerung (bedingt durch Geschmacks- und Geruchsstörungen), Lethargie, Gelenk- oder Muskelschmerzen,  Blutbildveränderungen (Leukopenie, Erhöhung der Leberwerte, Blutzuckerabfall), Hautveränderungen.

Die Hypothyreose entsteht zumeist als Komplikation der Hyperthyreosebehandlung. Als Symptome zeigen sich z.B. Lethargie, Gewichtszunahme, Kälteintoleranz, Muskelabbau, Verstopfung oder Durchfall, Hautveränderungen, neurologische Ausfallserscheinungen etc.

Diese Anzeichen können sogar lebensbedrohliche Ausmaße annehmen, wenn man nicht rechtzeitig reagiert, sprich die Dosierung des jeweiligen Medikamentes muss verringert werden.

Wenn die Werte wieder im Normbereich sind, sollte die Dosierung der Medikamente schrittweise minimiert werden. Mit regelmäßigen Kontrollen
des T4 und/oder FT4-Wertes kann man die ideale Dosierung herausfinden.

Vor einer chirurgischen Entfernung der Schilddrüse sollte man abwägen, ob dies der gesundheitliche Zustand der Katze zulässt. Vor der Operation sollten ein Blutbild (BB) und eine Szintigrafie durchgeführt werden, um zum Einen die Organfunktionen zu überprüfen und zum anderen verändertes bzw. verstreutes Schilddrüsengewebe erkennen zu können. Nach der Operation kann es zu einem z.T. auch lebensbedrohlichem Calciummangel (bedingt durch Beschädigungen der Nebenschilddrüse) kommen. Deshalb sollte der Calciumspiegel durch regelmäßige BB´s überprüft werden.
In seltenen Fällen kann es zu einer Hypothyreose kommen, die nur vorübergehend besteht, da das verbleibende Schilddrüsengewebe die Funktion übernehmen kann. In sehr seltenen Fällen können Nerven in der Umgebung verletzt werden, die zu Stimmverlust und Atemgeräuschen führen können.

Bei der radioaktiven Jodtherapie wird Jod verabreicht, welches sich in der Schilddrüse einlagert. So wird die Schilddrüse bestrahlt und funktionsuntüchtig gemacht. Dazu müssen die Katzen für eine Dauer von ca. 8-30 Tagen (je nach Strahlenbelastung) in eine Spezialklinik stationär aufgenommen werden. (bekannt z.B. Justus-Liebig-Universität in Giessen)

Beide letzten Möglichkeiten heilen die Katze, trotzdem kann nach Monaten oder Jahren ein Wiederkehren der Symptome auftreten, da das Restgewebe auch hyperthyreotisch werden kann.

Die Medikamente müssen lebenslänglich verabreicht werden, da sie nicht heilen, sondern den „Zustand“  nur kontrollieren.

Eine Katze kann mit einer behandelten Hyperthyreose noch lange Zeit leben, dennoch sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen (darunter z.B. auch Herzuntersuchungen etc) erfolgen.

Bedeutung von Hyperthyreose und CNI:
Eine Hyperthyreose kann eine CNI überdecken, so dass nach erfolgreicher Therapie der Schilddrüsenüberfunktion „plötzlich“ Symptome einer CNI auftreten.

Da die Nieren durch die Hyperthyreose zusätzlich angetrieben werden, scheint die Nierenfunktion besser zu sein, als sie tatsächlich ist.

Allerdings werden die Nieren so stärker belastet und längerfristig geschädigt.

Deshalb sollten die Schilddrüsen- und Nierenfunktion durch regelmäßige BB´s überwacht werden, damit eine Hyperthyreose und eine CNI im Einklang behandelt werden können. Hat man die Schilddrüse im Griff, so können auch die Nierenwerte stabil gehalten werden. Ein ständiges Auf und Ab schädigt den Körper.

Bei einer vorliegenden CNI ist es übrigens nicht ratsam, die Schilddrüse zu entfernen oder durch die radioaktive Jodtherapie funktionsuntüchtig zu machen, da eine Angleichung der Nierenwerte so nicht mehr möglich ist.

Als Limitation der Cystatin C-Bestimmung ist abschließend die Beeinflussung der Serumkonzentration durch Steroidtherapie sowie Hypo- und Hyperthyreose zu nennen.

Quellen:
http://info.multimedica.de/public/html/gufischer/KLF/PHFBI100F/0008/0004/index.html
http://www.schilddruesenpraxis.de/lex_fach_ueberfkt.html
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/archive/00001333/01/Kurzke_Ellen.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Schilddrüsenüberfunktion
http://www.katzenmedizin.de/hyperthyreose.htm
http://www.kleintiermedizin.ch/katze/schildd/schildd2.htm
http://www.felinecrf.info/verwandte_krankheiten.htm#schilddruesenueberfunktion
http://www.sulm.ch/PDF/pipette_2_05/GFR-Bestimmung.pdf
http://www.vetmedlabor.de
http://www.laboklin.de
etc.

(c) 2006 Simone Wurth - überarbeitet 01/2007
Hinweis:
Die Informationen über SDÜ wurden aus Literatur und Internet zusammengestellt und zusammengefasst.
Sie ersetzen, wie es für alle Texte auf dieser Homepage gilt, keinesfalls einen Tierarztbesuch.



Simone, vielen Dank für den Text, der deinen Mädels Lilly & Luna gewidmet ist.